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Mein Webdesigner meinte neulich, ob ich nicht mal aufschreiben könnte, wie das anfing mit dem Schmuck, den Mineralien und den Fossilien. Eine Art „beruflicher Lebenslauf“. Tja, also…war immer meine „Lieblingsdisziplin“, …von wegen vom 1. April 77 – 30. Feb. 82 Baumschule mit Abschluss als Krüppelkiefer… Aber im Ernst: je mehr ich mich damit auseinandersetzte, desto mehr gefiel mir die Idee an sich, weil, ja, weil... es gibt ihn wirklich! Den roten Faden, den Lebenslauf eben.
Begonnen hat es wohl, wenn man die Gene mal außen vorlässt, im zarten Alter von vier Jahren. Sagt jedenfalls meine Mutter. Ich kann mich an die Geschichte beim besten Willen nicht erinnern! Persönlich, meine ich. An die Erzählung allerdings sehr wohl! Habe sie auch oft genug gehört. Also, wie gesagt, ich war ca. 4 Jahre jung und spielte auf der Straße, die damals Anfang der 60er Jahre bei uns auf dem Dorf noch aus Schotter bestand. Da muss ich wohl einen Stein aufgeschlagen haben, der dann in zwei Teile zerfiel, wovon die eine Hälfte den positiven, die andere den negativen Abdruck eines Ammoniten offenbarte. Angeblich versetzte mich das in solche Aufregung, dass ich damit schnurstracks zu Muttern rannte…
Die zweite Begebenheit kann ich jetzt schon aus eigener Erinnerung rekonstruieren. Der Neubau einer Umgehungsstrasse brachte beträchtliche Erdbewegungen beinahe direkt vor der Haustüre mit sich. Dabei wurde auch eine Erdschicht angezapft, die in Fachkreisen „Schwarzjura (oder Lias) Alpha“ heißt. Der Aushub wurde zum Auffüllen einer Senke direkt in unserer Nähe abgekippt. Also, ehrlich gesagt, beeindruckten mich anfangs die riesigen Kipplader, die sonntags immer so schön in Reih und Glied standen, und deren Räder einiges größer waren als ich selbst, wesentlich mehr. Aber dann hörte ich, dass in dem Aushub, den sie brachten, „Goldschnecken“ zu finden seien. Ah! und Oh! Mordssache also! Das musste untersucht werden! Und so machte ich mich mit einem Plastikeimer und einer kleinen Schaufel auf den Weg und…hatte Glück! Und war im Glück! Aus heutiger Sicht hat dieses „Glück“ in Form von pyritisierten Ammoniten der Gattung „Schlotheimia“ bestimmt nicht allzu selten da rumgelegen, doch ich war überglücklich, ca. 15-20 Exemplare aufzusammeln, von denen ich heute noch einige besitze. Und dann kam der Knaller! Immer wieder lagen auch kleine Muscheln herum, von denen ich schon einige aufgelesen hatte, als ich eine fand, die auf einem Stein zu sitzen schien. Jedenfalls ließ sie sich nicht vom anhaftenden Dreckbollen lösen, und so wanderte alles zusammen in den Eimer. Daheim beim Saubermachen wusch ich , und wusch, und die Muschel wurde immer größer! Ein perfektes, komplettes Exemplar in Schalenerhaltung incl. aufsitzender Austern, wie es mir noch nicht wieder unter die Augen gekommen ist!
Etliche Jahre später war ich zum Berufschulblockunterricht in Königslutter bei Braunschweig. Hier gab es ein hervorragendes Privatmuseum für Fossilien. Besitzer war Herr Otto Klages, damals in Sammlerkreisen weithin bekannt. Er betrieb ein kleines Geschäft im Ort und dorthin ging ich mit meiner Muschel in der Hoffnung, er könne ihr den wissenschaftlich korrekten Namen „verpassen“. „Plagiostoma gigantea“ war seine spontane Vermutung. Diese revidierte er jedoch sofort, als ich ihm erzählte, in welcher Schicht ich sie gefunden hatte Er wälzte einige Bücher…ohne Ergebnis! Oder doch, denn er meinte zum Schluss, dass er sie mir gerne abkaufen würde. Dafür konnte ich mich allerdings überhaupt nicht erwärmen. Immerhin wusste ich jetzt, dass der Fund etwas „Besonderes“ war.
Seit dem „Goldrausch“ waren viele Jahre vergangen. Fundlos. Der Grund dafür : Ich ging nicht suchen! Erst durch die Berufschule, bzw. einige Mitschüler, die Fossilien suchten, kam ich eines Tages auf die Idee, im Harz dem Steinbruch „Oker“ einen Besuch abzustatten. Kaum dort angekommen, näherte sich ein Jeep. Was ich hier zu suchen hätte, wollte der Fahrer wissen. Ich antwortete, dass ich hier tatsächlich was suchen wollte, und zwar Fossilien. Er offenbarte mir, dass ich von Glück sagen könnte, dass er mich rechtzeitig gesehen habe, denn es würde gleich gesprengt und er sei der Sprengmeister! Wahrscheinlich war mir mein Entsetzen anzusehen. Er bekam so einen väterlichen Blick und lud mich ein, mit ihm im Jeep auf die oberste Sohle des Steinbruchs zu fahren. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und schon waren wir unterwegs. Und zwar recht gemütlich und mit einem kleinen Umweg. Er zeigte mir nämlich noch eine Stelle, an der vor einer Weile eine Senke mit über 20 versteinerten Schildkrötenpanzern entdeckt worden war, die dann die Steinbrucharbeiter verkauft hatten. Für gutes Geld, wie er sagte. Eine Wand im Bruch hatte mehrere Wochen einen über zwei Meter großen Fisch beherbergt. Diverse Museen waren informiert worden, aber keines hatte wirkliches Interesse gezeigt, obwohl lediglich die Bergungskosten angefallen wären. So wurde er schließlich weggesprengt…
Mittlerweile auf der obersten Sohle angelangt, packte mein Begleiter ein Signalhorn aus. „Hier sind wir sicher, obwohl manchmal die Brocken unglaublich weit fliegen können. Von hier kannst du dir in Ruhe anschauen, wie „der Berg kommt“. So nennt man das, wenn die abgesprengte Wand nach vorn über und mit lautem Getöse und viel Staub in sich zusammenfällt“, wurde ich aufgeklärt. Sprach`s und blies kräftig ins Horn. Ob er selbst per Funk oder jemand anders auf sein Signal hin die Sprengung ausgelöst hat, kann ich nicht mehr genau sagen. Jedenfalls gab es kurz darauf erst einen fürchterlichen Knall, dem eine imposante Wolke aus einem Qualm-Steinstaubgemisch folgte. Der Berg war „gekommen“. Wir warteten noch eine Weile, dann fuhr er mich direkt bis zum frisch gesprengten Steinhaufen. Er schärfte mir noch mal ein, sehr vorsichtig zu sein, da die Steine noch extrem locker seien, und warf dann einen Blick auf den Haufen. “Was haben wir denn da“! Er deutete auf eine ca. 13-15 cm große Turmschnecke, die in Steinkernerhaltung grad so zwischen den Steinen lag. „Das hat sich ja heute schon voll für Dich gelohnt!“ Ich dachte, ich höre nicht richtig! „Wie gesagt, sei vorsichtig, raus findest Du wohl allein“. Und fort war er!
Leute, das ist hier nicht Paulchens Märchenstunde! Auch wenn`s mir, während ich hier das Papier bearbeite, gerade so vorkommt. Aber besagte Schnecke nebst einer zweiten, die ich noch als „Zugabe“ vom Steinhaufen pflücken konnte, bereichern heute noch sehr real meine Sammlung. Später, gegen Abend, fand ich an einer andern Stelle des Steinbruchs kugelförmige Gebilde, die im Inneren „irgendwelche“ Kristalle enthielten. Wahrscheinlich Calzit oder Aragonit. Nichts wirklich Besonderes, aber…meine ersten Mineralien!
Vielleicht ein Jahr später versuchte ich mein Glück in einer Kreidegrube in der Nähe von Hannover. Appetit bekommen hatte ich durch ein Buch von „Kosmos“ mit dem Titel: „Geologie u. Paläontologie Niedersachsens. Zwischen Harz u. Heide“. Dort sollte es Seeigel geben. Das war was Neues, zumindest für mich! Nach geraumer Zeit fand ich auch ein Exemplar, was wohl früher einmal sehr schön anzusehen war. So zu Lebzeiten zum Beispiel. Muss dann wohl getrampt sein. Sah ziemlich mitgenommen aus. Besser gefielen mir dagegen die Markasitaggregate, von denen es hier einige zu finden gab, und die manchmal wie kleine Weihnachtsbäume aussahen! Richtig begeistert war ich dann, als ich durch Zufall eine Calzitknolle mit Markasitaussenhaut aufbrach. Die hatte nämlich einen Hohlraum, in dem neben Calzitkristallen hochglänzende Markasitkristalle mit bunten Anlauffarben saßen, die in der Sonne ein beeindruckendes Spektakel boten. Es war das erste Mal, das mich die Faszination, die von Kristallen ausgehen kann, in ihren Bann zog! Mittlerweile hatte ich im Bruch Gesellschaft bekommen. Ein Ehepaar, das nach eigenem Bekunden seit einigen Jahren fast an jedem Wochenende hier suchte. Diesem zeigte ich stolz meinen soeben gemachten Fund. Sie wirkten sehr erstaunt und sagten mir, dass sie so etwas hier in all den Jahren noch nicht zu Gesicht bekommen hätten. Der persönliche Wert meines Fundes stieg dadurch natürlich ins Unermessliche! Im Laufe unsers Gesprächs machten sie mich auf eine Stelle in der Steinbruchwand aufmerksam, wo, wohl seit geraumer Zeit, ein Seeigel zu sehen war. Der Grund dafür war, dass die Bergung mit einigem Risiko behaftet war. Und so hatten sie verzichtet. Was die Vernunft auch gebot. Vernunft war es dann auch sicher nicht, die in mir den Gedanken keimen ließ, mit einer Trophäe in Form eines schönen Seeigels den Heimweg anzutreten. War ich denn nicht gerade deshalb hergekommen? Nach einem kurzen, heftigen, inneren Kampf, den die Vernunft durch technischen K.O. in der dritten Runde verlor, kletterte ich in die Wand. Was hatte ich da nur angestellt! Als ich zum ersten Mal runterschaute, wurden die Knie ganz weich und die Beine begannen, unkontrolliert zu zittern! Besser wurde es dadurch auch nicht. Blick wieder nach oben. Noch einen halben Meter. Blick nach unten. Zittern! Nie wieder! Blick wieder nach oben. Igel soo nah! Ein Griff – und – schwupp! Da war Er!!! Irgendwann war ich irgendwie wieder unten. Heile. Mit Igel! Auch heile. Zumindest weitgehend. Hatte zum ersten Mal etwas riskiert und gewonnen. Gewonnen??? Rückblickend werden Erlebnisse oft bedeutender und zukunftweisender als in dem Augenblick, wo man sie erlebt.
Irgendwie hatte ich, seit ich beruflich unterwegs war, immer mit Steinen zu tun. Waren es in der Zeit als Steinmetz- und Bildhauer eher die Grossen, die es zu bearbeiten galt, waren es jetzt infolge einer beruflichen Neuorientierung zum Goldschmied die Kleinen, die Edelsteine, die jetzt auch nicht mehr be- sondern verarbeitet werden wollten. Gesundheitsbedingt war ich nämlich gezwungen, umzuschulen, da meine Wirbelsäule sich leider nicht in der Lage sah, die körperlich sehr anstrengenden Anforderungen des Steinmetzalltags auf Dauer schmerzfrei zu bewältigen. Die Wartezeit bis zur Umschulung überbrückte ich, indem ich kurzerhand einen gebrauchten Lkw kaufte, ihn zusammen mit einem Freund nach Nepal fuhr, und ihn dort verkaufte. Einen Teil des Erlöses investierte ich in Edelsteine, die ich vor Ort erwarb. Zwischenzeitlich hatte ich mir schon einige Kenntnisse darüber angeeignet. Außerdem bestand zu dieser Zeit noch kaum die Gefahr, mit Synthesen oder Imitaten hereingelegt zu werden. In der Zeit der Umschulung verarbeitete ich etliche dieser Steine in Schmuckstücken oder verkaufte sie gelegentlich an Mitschüler. Ich trieb mich viel bei Steinhändlern rum. Durch meinen Ehrgeiz, aus jedem Lot wirklich den besten Stein herauszupicken und alles Mögliche über den Fundort zu erfahren, ging ich ihnen bestimmt des Öfteren ziemlich auf die Nerven. Das Geschäft florierte nämlich noch und man brauchte noch nicht froh sein über jeden Kunden, der überhaupt einen Stein kauft. Ich wollte von Anfang an in jedes Schmuckstück, in das ich ja immerhin viel „Herzblut“ steckte, den bestmöglichen Stein einbauen. Manchmal inspirierte mich auch ein schöner Stein zu einem neuen Schmuckstück. Das ist übrigens heute noch so!
Nach der Umschulung geriet ich an einen Goldschmied, der eine Mineraliensammlung besaß. Mich faszinierten besonders die schönen spanischen Fluorite und auf sein Anraten sattelte ich eines Tages im August 87 meinen alten Polo und ab ging`s Richtung Spanien. Immerhin über 1600 km. Eine Strecke. Armes altes Auto! Dort angekommen, stellte ich erst einmal fest, dass sich der Steinbruch nicht im Betrieb befand, wie es mir der Goldschmied beschrieben hatte, sondern seit ca. zwei Jahren stillgelegt war. Überall lagen blauviolette Splitter und beschädigte Kristalle herum, aber das, was man an offenen Drusen sehen konnte, war leider längst ausgebeutet. Nun, ich hatte Hammer u. Meisel dabei, genau einen Meisel und…keine Ahnung! Doch es schien Rettung zu nahen in Person eines deutschen Mineraliensammlers, der Mitleid mit mir hatte, und mir einen „Klufthaken“ schenkte. Der sah aus wie ein langer Dietrich und sollte beim Aufspüren und Ausbeuten allfälliger Klüfte behilflich sein. Man könne damit auch in kleinen Löchern „prukeln“, die sich dann manchmal zu „richtigen“ Klüften entwickeln „könnten“! Bei mir blieb es beim „Prukeln“. Keine Kluft. Der deutsche Kollege dagegen machte eine Kluft nach der anderen auf. Er erzählte mir noch, dass er in zwei Tagen einen anderen „Kollegen“ erwarte, der dann auch pünktlich eintraf. „Morgen Jungs! Alles klar?“ Nach ca. einer Viertelstunde: “Klingt hohl! Glaub, das ist ein Deckel!“ Wie Recht er hatte! Die nächsten zwei Tage waren die Beiden dann mit Ausräumen beschäftigt. Und ich klopfte und „prukelte“ mit dem einzigen Erfolg, dass die Spitze meines Meisels zu einer Kugel mutierte. Das Gestein war aber auch knallhart, da verquarzt, und ist bis heute ein absoluter „Meiselkiller“! Immerhin fand ich ein paar schöne Quarzdoppelender, die sich damals noch ohne größere Mühe aus der Erde oberhalb der Felsen picken ließen. Mittlerweile ist da alles umgegraben. Ich ließ mich nicht entmutigen und war im April des Folgejahres wieder zur Stelle. Diesmal mit mehr Meiseln. Dann der Schock! Leerer Strand. Leerer Steinbruch. Die Saison beginnt halt Pfingsten, und nicht Ostern! Für mich ein echtes Problem. Denn erstens bin ich gesellig und zweitens ein „Gernegutschläfer“. Letzteres war, da alles zu hatte, das größte Manko, da ich die Nächte im Auto verbringen musste. Vom Steinsuchen her knüpfte ich nahtlos an die „Erfolge“ des Vorjahres an. Kein Wunder also, dass ich mich zuerst psychisch, dann aber auch zunehmend körperlich immer mieser fühlte. Zum Schluss schleppte ich mich mit starken Kopfschmerzen durch die Steine. Ich werde nie vergessen, wie ich da hundeelend auf dem Stein saß und lustlos mit dem Klufthaken an einer Fluoritader kratzte, bis sich plötzlich mehrere Brocken aus der Ader lösten, und ein Loch sichtbar wurde. „Bestimmt `ne Kluft“, sagte ich sarkastisch halblaut zu mir, ohne im Geringsten daran zu glauben. Ich zwang mich dann doch, das Loch, das aussah wie ein violetter Schmollmund, mit Hammer und Meisel so weit zu vergrößern, dass man hineinsehen konnte. Und ich sah…nichts! Zumindest nicht das, was ich zu sehen erhofft hatte. Kein einziger Kristall. Bloß „Steinplatten“ auf dem „Boden“. Wieder erweiterte ich die Öffnung so weit, dass ich die erste Platte herausnehmen konnte. Ich drehte sie um. Ein guter Sitz kann sich manchmal als durchaus vorteilhaft erweisen! Wie in Trance starrte ich auf die Kristalle, die da, perfekt gruppiert, in der Sonne ein Farbfeuerwerk in Violett und Blau inszenierten. Jetzt bemerkte ich auch, dass die „steinerne“ Rückseite in Wirklichkeit nur ein dreckiger Belag war. Das ganze Stück bestand aus massivem Fluorit. Als Nächstes stellte ich fest, dass sich mein körperlicher Zustand erheblich gebessert hatte. Ich war gerade fast in Versuchung, von einer wundersamen Heilung zu schreiben.... So holte ich Stück um Stück aus der Kluft, bis mich die einsetzende Dunkelheit zwang, zum Auto zurück zu kehren. Meine Versuche, einzuschlafen, erwiesen sich als lächerlich! Und so saß ich dann bald wieder vor der Kluft, diesmal mit Taschenlampe. Und zwar so lange, bis ich dermaßen müde war, das es endlich mit dem Schlafen klappte. Drei Tage räumte ich aus, was zur Folge hatte, dass durch das Gewicht, was mittlerweile im Auto war, die Karosserie den Reifen bedrohlich nahe kam…
In den folgenden Jahren besuchte ich die Fundstelle insgesamt 17 Mal.
Diese Kluft blieb, obwohl mir später öfter der eine oder andere schöne Fund gelang, eine der besten der gesamten Zeit. Und ganz bestimmt die eindrücklichste! Oft habe ich gedacht, dass diese Kluft eigentlich viel zu früh kam. Was habe ich nicht alles durch fehlende Kenntnis beschädigt! Sei es schon beim Bergen, oder später durch falsche Reinigungsversuche.
Ein „Erlebnis“ hängt mir besonders nach. Und das kam so: Die Kluft lag in einem Kessel, der sehr windgeschützt war. Allerdings hatte die Sonne ungehinderten Zugang, was im April in diesen Breitengraden schon zu ganz saftigen Temperaturen führen kann. So wurden etliche Stücke, die ich vor der Kluft abgelegt hatte, von der Sonne aufgeheizt. Einem erfahrenen Sammler würde das nicht passieren, weil er weiß, dass gerade Fluorit, aber auch viele Quarze sehr temperaturempfindlich sind und somit vor rapiden Temperaturunterschieden geschützt werden müssen. Ich war aber kein „erfahrener“ Sammler und wollte oben beim Auto ein Stück, was mir besonders gut gefiel, mittels Wasser und Bürste vom Dreck befreien. Es handelte sich bei dem Stück um eine ca. 10x10 cm große, schön kristallisierte Fluoritplatte von feiner Qualität, der mittig ein ca. 4cm großer Quarzdoppelender mit Bitumeneinschlüssen flach aufgewachsen war. Das Stück war warm, das Wasser kalt…es machte Peng! Ich erschrak furchtbar und war, als der Schreck nachließ, unsagbar traurig, weil ich das schöne Teil ein für alle Mal geschrottet hatte. Muss ich noch erwähnen, dass ich nie wieder etwas Vergleichbares gefunden habe? Aber…es hat auch durchaus positive Erinnerungen an die Kluft und die sind heute wohl gehütete Schätze meiner Sammlung.
Irgendwann begann ich Kontakt zu Gleichgesinnten zu suchen und schloss mich, was vom Wohnort her nahe liegend war, den Pforzheimer Mineralienfreunden an, die auch ein tolles Museum besaßen (und besitzen). Dadurch lernte ich auch einen gleichaltrigen Sammler kennen, der sich im Schwarzwald sehr gut auskannte. Zu diesem entstand im Laufe der Jahre eine Freundschaft, die bis heute Bestand hat. Etliche Exkursionen im In- und Ausland waren die Folge. Spanien, Portugal, die französischen Alpen um Bourg d´Oisans, und… natürlich der Schwarzwald, hießen die Ziele. Wobei ich letzteren, wegen der Gründung einer Familie und der Geburt meines Sohnes, in den 90ern nur sehr selten besuchte und in dieser Zeit generell nicht „unter Tage“ ging. Stattdessen besuchte ich immer häufiger das Wallis. Ich hatte die Berge für mich entdeckt! Besonders das Binntal hatte es mir angetan. Einerseits eine echte Herausforderung: stark abgesucht und sehr lange Anmarschwege. Andererseits eine unglaubliche mineralogische Vielfalt. (Es werden nicht viele Gebiete sein, in denen man sowohl Bergkristall, Amethyst und Morion, um nur mal den Quarz herauszupicken, finden kann. Von den seltenen Arsenmineralien und den einzigartigen Anatasen ganz zu schweigen…) Als Zugabe noch die fantastische Landschaft, die in den letzten Jahren sogar meine Familie zum Urlaub auf dem dortigen Campingplatz animieren konnte. Mittlerweile ist mir dort auch schon der eine oder andere Fund geglückt. Etwa die tollen Zepterquarze 2003, (Lapis 4-2004), Amethyst (Lapis 10/2005), Morion. Sogar Apatit konnte ich schon an zwei verschiedenen Stellen aufspüren. Dass dieses auch im dortigen Bündnerschiefer möglich ist, war bisher nur Wenigen bekannt.
Seit Ende der 90er steht auch das Montblancgebiet auf meiner Besuchsliste. Im vergangenen Sommer (2005) wurden wir mit einem hervorragenden Fund, der uns viele herrliche Rauchquarze nebst Gwindeln bescherte, verwöhnt. Inklusive einem bleibenden Andenken in Form einer abgequetschten Fingerkuppe.
Vieles ist passiert in den vergangenen Jahren. Und auch die Zukunft hat sicherlich noch was in Petto.
Ich freu mich drauf!
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